Uwe Hartmann im Interview (Catewalker)

catewalker-logouwe-hartmannHallo Uwe, Du hast mit deinem Catewalker leider kein Investment der „Löwen“ bekommen. Konnte die Sendung dennoch für Investoren sorgen, die aufgrund der Ausstrahlung auf Euch zugekommen sind?

Voraus geschickt sei erst einmal, dass der CateWalker nur deshalb aus seinem Dornröschenschlaf geweckt wurde weil es die Sendung gibt. Es war ein purer Zufall, dass jemand von der Redaktion mein Profil auf Xing besucht hatte und ich sofort wusste was Sache ist, weil ich seit Jahren ein riesen Fan des Englischen Originals (Dragon’s Den) bin. Für mich war das selbstverständlich mit zu machen.

Es ging mir gar nicht so sehr um die Möglichkeit einen Investor zu finden, denn ich habe über die Jahre so viel Erfahrungen in Deutschland gemacht was Investoren angeht, dass ich schon vorher wusste, dass keiner der Kätzchen die Abenteuerlust, Visionskraft und den Mut haben wird in den CateWalker zu investieren. Das machen die Engländer m.E. deutlich besser, aber deren Potenz ist auch deutlich größer ausgeprägt als beispielsweise die einer Lencke Steiner. Ihr unqualifizierter Kommentar ich hätte Geld verbrannt ärgert mich noch heute. Aber egal, mitmachen war das Gebot der Stunde. Darum habe ich den CateWalker auch wieder erweckt und habe versucht das Bestmögliche heraus zu holen. Dass ich nur aufgrund der Teilnahme an der Sendung nicht nochmal rund 5000€ investiere um eine Sonderanfertigung des Heizschlauchs zu bekommen, nur um möglicherweise 5 Leuten einen Espresso zu brühen die dann vielleicht sagen er schmeckt nicht, versteht sich glaube ich mit einer simplen Kosten-Nutzen-Analyse von selbst ;-) Ich bin also gar nicht so traurig darüber, dass dies als Begründung heran gezogen wurde nicht zu investieren, denn es ist unterm Strich nur der Beweis dafür, dass zwar vielleicht Kapital vorhanden ist, die Visionskraft aber fehlt zu erkennen, was denn der CateWalker eigentlich wirklich ist. Diese Art der Absagen habe ich schon hunderte Male gehört.

Catewalker
Catewalker (Quelle: catewalker.de)

Das führt mich auch zu Deiner ersten Frage. Ja, es gab doch einiges an Feedback und vor allem Support, jedoch zeigten sich keine ernst zu nehmenden Investoren. Nur sehr viele Heuschrecken meldeten sich, deren Angebote zu offensichtlich darauf abzielten mir das Patent zu entwenden. Es gab auch einige interessante Kontakte zu ausländischen Investoren, zum Beispiel aus Panama oder Südafrika, aber wenn vermeintliche Investoren darauf bestehen, dass man selbst in den Flieger steigt um sie mitsamt des CateWalkers zu besuchen, ich vorher aber das gesamte Konzept Preis geben soll inklusive Businessplan auf Englisch übersetzt, dann fragt man sich doch unweigerlich warum eigentlich der Knochen zum Hund kommen soll. Meine Meinung ist, wenn Investoren wirklich Interesse haben, dann wissen sie auch, dass man nur dann Investoren sucht wenn man selbst mit seinen finanziellen Mitteln eingeschränkt ist… also eher fern der Möglichkeiten ist ein Ticket um die halbe Welt zu bezahlen zwecks Bespaßung Anderer. Wie gesagt, interessante Mail Konversationen und sehr viele Supporter die auf das Konzept stehen, aber keine verwertbaren Offerten von Seiten des Finanzsektors.

Würdest Du noch einmal an DHDL teilnehmen? Kannst Du die Teilnahme anderen jungen Unternehmen empfehlen?

Na klar würde ich wieder teilnehmen, keine Frage. Ich überlege sogar es vielleicht nochmal zu versuchen, allerdings würde ich dies lieber in England tun, denn die Dragons dort haben sehr viel mehr das mindset das ich brauche und suche. Als Beispiel was ich meine sei die Staffel erwähnt, in der Rupert Sweet Escott von James Kahn ein Investment bekommen hat (siehe YouTube. Warum findet man dort eigentlich unsere Pitches nicht?). Die Begründung von James Kahn warum er in ihn und sein Flugfahrrad investiert ist GENAU die Art mindset, das Leute wie ich suchen… und aus Erfahrung weiß ich, von solchen Geistern wie mir haben wir extrem viele in Deutschland. Leider haben wir keine Drachen wie James Kahn im Angebot sondern aus meiner Sicht nur profilneurotische Kätzchen die sich nur aufgrund des Sendungskonzepts hier und da verpflichtet fühlen „miau“ schreien müssen. Glaube das wurde ja auch schon für die zweite Staffel erkannt, dass mehr investiert werden muss. Das Interview vorab mit Jochen Schweizer belegt das ja deutlich. Schade nur, dass man sich als Kandidat der ersten Staffel in den Arsch getreten fühlt wenn man liest, dass in der zweiten deutlich bessere Projekte und interessantere Menschen zu sehen sein werden. Da hätte Communications von VOX vielleicht eine bessere Formulierung verwenden sollen denn in den einzelnen Foren wurde das durchaus sehr negativ zur Kenntnis genommen. Auch ich fühle mich dadurch abgewertet.

Deutschland ist leider rein gesellschaftlich nicht das Land, in dem echte Finanzgiganten die Öffentlichkeit suchen um selbstlos einen positiven Effekt zu erzeugen. Unsere Neidgesellschaft verhindert das immer wieder zuverlässig. Jungen Unternehmern aber sei dringend angeraten die Chance zu nutzen die das Medium Fernsehen bietet. Auf JEDEN FALL!!! Mein Rat allerdings wäre auch, nicht auf ein Investment zu hoffen sondern eine gute Show abzuliefern, denn das ist ja der eigentliche Sinn hinter der Sendung ;-) Ich würde auch begrüßen wenn VOX im Nachgang die Teilnehmer nicht vergessen würde sondern etwas regelmäßiger im Reportformat über diese Jungunternehmer berichtet. So wie die Rückschauen in der aktuellen Staffel, nur eben in anderen Sendungen. Damit würde man der Gründerszene einen riesen Gefallen tun, denn es ist massiv schwer zu gründen und die Öffentlichkeit sollte durchaus mal einen Eindruck davon bekommen, dass Unternehmer nicht über Nacht zu reichen Geldsäcken werden sondern der Weg dahin mit irrsinnig viel Arbeit, Schweiß und Blut versehen ist. Vielleicht ändert sich dadurch langsam mal das Bild des Unternehmertums und im Gegenzug werden diese dann wieder lockerer.

Was hat Dir die Teilnahme an DHDL gebracht? Wo stehst Du jetzt?

Also mir persönlich hat es natürlich Aufmerksamkeit gebracht. Die Leute reden darüber und haben auch Feedback gegeben. Sehr viele haben ihre Hilfe angeboten was mich sehr gefreut hat. Es hat allerdings auch viel Geschmeiß angelockt mit dem man sich auch auseinander setzen musste, aber das gehört nun mal dazu. Den CateWalker habe ich wieder in den Dornröschenschlaf versetzt. Das macht auch Sinn, denn er ist was er ist, ein Prototyp. Ich kann behaupten, es ist ALLES fertig um daraus aus dem Stand ein Produkt zu machen, was fehlt ist lediglich Kapital. 300k war die Mindestsumme die nötig ist um das Projekt zu verwirklichen. Realistisch betrachtet, um daraus ein richtiges Geschäft zu machen, sind 1-1,5Mio nötig und das hat sicherlich nichts mit Geldverbrennung zu tun oder das in der Summe gar ein GF Gehalt in unchristlicher Höhe vorgesehen ist. Es sind die Fakten der Realität. Um in den Kaffee Markt herein zu kommen ist vorab viel Kapital und auch Werbung nötig. Zum Vergleich, diese banale Senseo Maschine hat bis zum Serienprodukt 6 Mio gekostet laut Douwe Eggbert. Bis zur Markteinführung wurden all inclusive nochmal 2,5 Milliarden investiert. Verglichen dazu bin ich die Low-Cost-Variante und höchst effizient und effektiv. Du siehst also wie albern der Kommentar von Lenke Steiner bei mir angekommen ist.

Die Teilnahme hatte aber für mich persönlich ein sehr positives Ergebnis. Man ist auf mich aufmerksam geworden und nun habe ich einen hervorragenden Job bei Siemens, mache Karriere und bin mittlerweile nach Dänemark ausgewandert. Stand heute war es das Beste was ich je gemacht habe, denn hier oben sind die Geister noch nicht so versaut wie beispielsweise in Frankfurt. Es tut unfassbar gut wenn man „erkannt“ wird und zusätzlich noch gefördert. Ich habe also derzeit keinerlei Grund zu versuchen mit dem CateWalker erfolgreich zu werden, wenngleich diese Idee niemals sterben wird. Ich WEISS eben, dass es funktioniert denn ich habe es am eigenen Leib erfahren. Jetzt aber steht eine Karriere bei Siemens im Fokus und ich habe seit dem ersten Tag an fürchterlich viel Spaß an der Arbeit. Insofern hatte mein Auftritt bei DHDL etwas sehr Gutes.

Hier ist freier Platz für alles was Du noch sagen möchtest

Es könnte jetzt sehr lang werden, denn zum Thema allgemein habe ich Kilotonnen zu sagen. Ich versuche mich aber kurz zu halten. DHDL ist eine sehr gute Sache, doch wurde bislang die Chance verpasst etwas wirklich Neues und Gesellschaft-Veränderndes zu schaffen. Das liegt in der Natur der Sache und auch in der Natur des Deutschen an sich. Wir protzen nun mal nicht gerne, darum feiern wir unsere Erfolgreichen Unternehmer auch nicht richtig. Beispiele für Unternehmer mit dem richtigen „Drive“ und der richtigen Einstellung, die aber durch Presse und Öffentlichkeit zerknüllt wurden sind Wolfgang Grupp und Ernst Prost. Diese Männer sind ECHTE Unternehmer mit Verstand und Herz, wurden aber systematisch in der Presse platt gemacht. Warum also sollte beispielsweise ein Selfmade-Milliardär sich ins Studio setzen, wenn am Ende nur Hetze und Häme heraus kommt? Dietmar Hopp, der SAP Gründer, ist ein sehr gutes Beispiel dafür was ich meine. Ich kenne ihn persönlich und kenne daher auch alle Hintergründe. Als er beim TSG Hoffenheim eingestiegen ist meinte jeder, er hat sich ein Team gekauft und nur wegen des Geldes haben die es in die Bundesliga geschafft. Fragt einfach mal Fans vom BVB. Die haben die Hetze auf die Spitze getrieben. Hintergrund aber ist, dass er als 6 jähriger Bub dort Fußball gespielt hat und dies seit jeher seine Mannschaft ist. Er hat nur finanziell die Möglichkeiten eröffnet das die Spieler die Chance haben durch Fleiß und Leistung in die erste Bundesliga aufzusteigen. Mehr nicht. Das ist in höchstem Maße ehrenwert, vor allem weil er sein Geld nicht in die Schweiz bringt sondern in seiner Heimatregion investiert, damit JEDER was davon hat.

Wieso schaffen wir es eigentlich als Deutsche nicht solche Menschen entsprechend gebührend und respektvoll zu feiern? Statt dessen bauen wir Statuen für Typen wie Michael Schumacher, der schon bei der ersten Million die Flucht in die Schweiz und nach Monaco angetreten hat. Solange sich das nicht ändert, auch in den Medien, solange wir es zulassen, dass eine Lenke Steiner eine Möglichkeit bekommt zur öffentlichen Selbstdarstellung, obwohl ihre unternehmerischen Qualitäten lediglich auf den durchschnittlichen Erfolgen ihres Vaters fußen (12Mio Jahresumsatz ist das Format „Hauskatze“, nicht Löwe! Ich kenne Bäckereien die mehr machen) und sie ganz offensichtlich nur im Sinn hat mit ihrem eingefrorenen Standardlächeln möglichst oft im TV zu sehen zu sein (siehe auch ihre politischen Talente, die sie ja schon eindrucksvoll und mehrfach als suboptimal ausgeprägt bis nicht vorhanden unter Beweis gestellt hat), so lange wird DHDL nichts anderes als ein nicht ernst zu nehmendes Unterhaltungsformat bleiben und nicht wirklich eine treibende Kraft für Unternehmertum und unternehmerisches Denken sein. Wie gesagt, Dragon’s Den oder Shark Tank zeigen eindrucksvoll wie es RICHTIG geht und ich bin nach wie vor ein großer FAN von all diesen Formaten, aber ein so reiches Land wie Deutschland sollte mehr in Sachen Unternehmensförderung zu bieten haben und bewegen können als dies momentan der Fall ist. Ohne Unternehmer wären wir NICHTS! …und vermutlich derzeit auch auf der Flucht.

Ich habe mal vor langer Zeit einen Satz geprägt der das Investorengeschäft rund um Start-Ups und Seed Investments bestens beschreibt: Risiko-Investoren investieren nur dann in einen Lottoschein, wenn sie zu 100% wissen wie die Zahlen lauten, ein möglicher Irrtum finanziell durch den Lottoscheinverkäufer abgesichert ist und es möglichst nichts an Provisionen kostet. Übrigens, Gleiches gilt für den viel zitierten „Fachkräftemangel“ in Deutschland. Es fehlt in Deutschland tatsächlich an gut aussehenden Fachkräften unter 30, mit abgeschlossenem Dualstudium und Promotion sowie mindestens 10 Jahren Berufserfahrung und ohne Kinderwunsch. Ich habe es selbst erlebt. Ü40 interessiert sich keiner mehr für einen, egal wie viele 1er Zeugnisse von namhaften Unternehmen man im Berufsstammbaum hat. So tickt der deutsche Arbeitsmarkt.

Hoffentlich liest Du das alles so wie ich es gedacht habe beim Schreiben. Hier und da mag es negativ klingen, ich bin aber ganz und gar nicht negativ sondern immer positiv. Dennoch sehe ich viele Probleme die wir noch lösen müssen, auch was DHDL angeht. Ausdrücklich erwähnen möchte ich Judith Williams und Jochen Schweizer. Die beiden sind diejenigen in der Jury die wirklich mit Herz & Hirn bei der Sache sind. Allein Judith’s Lächeln wertet jeden Auftritt der Gründer auf und hat auch mir beim Pitch die Aufregung genommen. Frank Thelen gehört auch zu denjenigen die ich als hilfreich erachten würde, allerdings sehe ich noch keine Beweise für „walk the talk“, daher sind es bislang auch nur Lippenbekenntnisse. Bin gespannt wie sich das entwickelt. Von Vural Öger erwarte ich lediglich geldgieriges, egozentrisches Investorenverhalten und von Lencke eigentlich nur Absagen, deren Begründungen nicht einmal an ihren eigenen Haaren herbei gezogen sind, aber immer abschließend drapiert werden mit ihrem „frozen smile“. By the way… unter den Investoren gibt es mir viel zu viel „alignment“ an Stelle von „battle“. Das wird auf Dauer sehr langweilig und vorhersehbar.

Wenn Du Einfluss in der Produktion hast, dann versucht doch mal Charaktere wie Hasso Plattner von SAP oder Klaus Meffert von der Meffert AG als Löwen für die Sendung zu gewinnen. Das SIND einerseits Löwen aber andererseits auch echte Charakterköpfe im Unternehmertum, hoch gebildet, finanziell sehr potent und mit Dynamit im Hintern. Dann wäre das Löwen Line-Up richtig gut, es würden tolle Pitches und Battles heraus kommen und wenn man in den Verträgen noch eine Mindestinvestitionssumme von 500k pro Staffel fest schreiben würde, könnte auch endlich mal was bewegt werden und DHDL könnte mit Dragon’s Den und Shark Tank mithalten. Warum nicht eine „Erfolgsbattle“ initiieren welcher der Löwen der erfolgreichste Investor ist?

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